Freiherr vom Stein
Gedenken: Vergangenheit verstehen, Zukunft gestalten
Diese Gedenktafel erinnert seit 1929 an die ehemaligen Schüler sowie Lehrer unserer Schule, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Sie wurde in der Zeit der Weimarer Republik als Geschenk der Stadtverwaltung angebracht. In einem Zeitungsbericht vom 31. Juli 1929 heißt es, dass die „Schüler und Lehrer mit Blut und Leben ihre Liebe zum Vaterland bekundeten“.
Ursprünglich zeigte die Tafel auch den Kopf eines Soldaten - ein typisches Symbol für Gefallene des Krieges. Diese Symbolik wurde in der Zeit des Nationalsozialismus durch eine „Schwurhand“ ersetzt. Die Schwurhand galt hierbei als Symbol der nationalsozialistischen Ideologie, mit der Treue und Unterordnung unter das NS-Regime beschworen wurden.
Doch was passiert, wenn eine Gedenktafel in ihrer ursprünglichen Fassung bewusst verändert wird? Die Erinnerung an gefallene Schüler und Lehrer wird ideologisch überdeckt. Die Erinnerung an das Leid der Kriegsjahre wird in den Dienst einer autoritären sowie faschistischen Staats-auffassung gestellt. Kurz: Die Erinnerung wird instrumentalisiert.
Heute möchten wir als Schule einen offenen und selbstkritischen Umgang mit unserer Geschichte vorleben. Im Lichte demokratischer, freiheitlicher Werte möchten wir hinterfragen, ob es richtig ist, die Liebe zum Vaterland mit Blut und Leben zu bekunden. Wir möchten die Sinnhaftigkeit von Krieg, aber auch die unreflektierte Befolgung ideologischer Politik zur Diskussion stellen.
Damit verstehen wir diese zusätzliche Informationstafel als Bekenntnis zu Demokratie, Vielfalt und Toleranz.