Hagelkreuz
Im Volksglauben ist das Aufstellen von Flurkreuzen, die vor den Unbilden des Wetters schützen sollen, so weit verbreitet wie die Verehrung der Wetterheiligen. Das Kreuz Christi als Wettersegen zu verwenden, bezieht sich auf die Bibelstelle der Passion: „Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein“ (Mk 33,15 und Mt 27,47),und „die Erde bebte und die Felsen spalteten sich“ (Mt 27,51) im Moment des Todes Jesu. Das wird als Schutz vor Naturkatastrophen (typischerweise etwa Gewitter mit Blitzschlag, Sturm oder Hagelschlag), wie auch plötzlichem Tod gedeutet, daher sind Wetterkreuze oft auch Kruzifixe, also Kreuze mit der Figur des Gekreuzigten. Sicardus von Cremona (ein Historiker im 13. Jahrhundert) schrieb um 1200: „In dieser Zeit, da die Früchte noch in zarter Blüte stehen, und die Kriege ihren Anfang zu nehmen pflegen, fleht man zu Gott, dass er Hagel und Wetter abhalte und fruchtbare Ernte seinem Volk gebe.“
Um den Segen Gottes hinsichtlich guten Wetters zu erflehen, wurden am Tag nach Christi Himmelfahrt, dem so genannten Hagel-Freitag, Hagelprozessionen in den Feldern mit einer Messe abgehalten. Zudem stellten die Menschen früherer Tage Kreuze in ihren Feldern auf, um den befürchteten Hagelschlag, der ganze Ernten ruinieren konnte, zu entgehen. Wetterkreuze sind bis heute oftmals regionale Ziele von Bitt- und Bußprozessionen.
Das Sterkrader Hagelkreuz ist mit einem Versprechen verbunden, das bereits mit den Vorfahren geschlossen wurde.
Das Versprechen geht zurück auf ein fürchterliches Unwetter mit Sturm und Hagel, das im Jahre 1704 über die Region hinweg zog. In kurzer Zeit wurden die Früchte harter Arbeit zerstört. Kein Korn, kein Brot, viele Menschen mussten leiden. Man weiß nicht, ob Naturkatastrophen wie das Unwetter in Kalifornien oder die damalige Tsunamikatastrophe in Japan (2004) mit dem Unwetter vergleichbar sind, aber für die Menschen zur damaligen Zeit muss es verheerend gewesen sein.
Damals gelobten die Sterkrader Bürger im Gedenken an das Geschehene alljährlich am Sonntag vor Pfingsten eine Hagelprozession durchzuführen.
Hier im Dreieck Steinbrinkstrasse/ Postweg errichtete man ein hölzernes Kreuz, das nach seinem Zerfall im Jahre 1849 durch das heutige steinerne Kreuz ersetzt wurde. Seit dieser Zeit pilgern die katholischen Kirchengemeinden der 2007 errichteten Großpfarrei St. Clemens zum Hagelkreuz. Nun steht hier auch eine Gedenktafel, die den Menschen Auskunft über das Hagelkreuz gibt.
Hagelkreuz (Ulrich Kusenberg)
Wo Felder nur und Äcker waren,
da hab ich oft als Kind verweilt
und hab dem Herrgott mitgeteilt,
was mir an Bösem widerfahren.
Auch später, unter diesen Linden,
das Kreuz stand dort wie ehedem,
da war es mir recht angenehm,
hier ungestörte Ruh’ zu finden.
Frühmorgens, wenn der Nebel stieg,
und oft auch, wenn die Sonne fiel,
war’s Hagelkreuz mein liebstes Ziel,
grad weil es doch zu allem schwieg.
Von weithin sah man diesen Ort,
heut sind die Felder alle fort.