Sterkrader Steine

Nach einem Dornröschenschlaf soll ein alter Schriftzug bald wieder Oberhausens größten Stadtteil schmücken 

Sterkrade. „Es ist wichtig für unseren Stadtteil und für die Sterkrader, dass die alten Dinge nicht in Vergessenheit geraten und dass man ein Stück Geschichte erhält“, sagt Hubert Cordes. Der Oberhausener Ratsherr und Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Sterkrade möchte deshalb ein paar Steine, die den Schriftzug des Stadtteils tragen, bald an herausragender Stelle wieder aufstellen. Weil es um die Identität des größten Stadtteils in Oberhausen gehe, umschreibt er seine Motivation.

Schon die Geschichte, wie Hubert Cordes zu den „Sterkrade-Steinen“ kam, hört sich spannend an. Ein alter Zeitungsausschnitt, weder datiert, noch sonst irgendwie zuzuordnen, fiel ihm in die Finger. Ein Foto erregte das besondere Interesse des geschichtsinteressierten Sozialdemokraten. „Sterkrade“ war darauf zu lesen- quasi in Stein gemeißelt, für die Ewigkeit. Doch wo genau sich die Steine befanden, das konnte ihm erst seine Tochter Angelika zeigen – die hatte verbotener Weise als Kind im Volkspark  am Bahndamm gespielt und dabei die Steine entdeckt.

Vor ein paar Jahren ließ Hubert Cordes die Steine in Absprache mit dem vermutlichen Eigentümer, der Bahn, bergen und einlagern. Sie fielen in eine Art Dornröschenschlaf. Hinter den Kulissen arbeitete der SPD-Stadtverordnete jedoch weiter. Die Bahn zeigte wenig Interesse an den Relikten aus dem vergangenen Jahrhundert und so begab sich Cordes selbst auf die Suche nach der Geschichte der Steine. Vermutlich waren sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt worden. Stadtarchivar Dr. Otto Dickau gab nach einigen Recherchen den entscheidenden Hinweis.1935 feierte man gleich mehrere Ereignisse, die in direktem Zusammenhang mit der Aufstellung der Steine im Bahndamm stehen könnten: Die Eisenbahn rollte 100 Jahre durch Deutschland und die Bahnlinie von Oberhausen nach Emmerich wurde 80 Jahre. 

Entscheidend für Sterkrade war aber wohl ein anderes Jubiläum: Die Gutehoffnungshütte, über Jahrzehnte prägend für Sterkrade und die ganze Region,  feierte ihre 125-jähriges Jubiläum. Die Vermutungen erhärteten sich bei einer Nachfrage im Oberhausener LVR-Industriemuseum, das entsprechende Unterlagen aus dem GHH-Werksmuseum zur Verfügung stellte. Unter anderem war hier vermerkt, dass die GHH zum Jubiläum 100.000 Reichsmark für bedürftige Familien in Sterkrade stiftete.

Kein geringeres Problem sollte in den modernen Zeiten der Haushaltskonsolidierung die erneute Aufstellung der Steine werden. Die Verwaltung schlug einige Plätze vor, etwa an der Brandenburger Straße am Eingang zum Volkspark oder an der Stoag-Haltestelle am Sterkrader Bahnhof. Diese Vorschläge erschienen Hubert Cordes nicht adäquat. Mit dem Projekt der Neuapostolischen Kirche auf dem ehemaligen GHH-Gelände im Herzen von Sterkrade tat sich jedoch eine neue Möglichkeit auf: Die Steine sollen nun in den Erdwall gegenüber der ehemaligen GHH-Forschung und der neuen Sterkrader Feuerwehr eingelassen werden.

„Die Stadtverwaltung hat mich bei der Suche nach einem Platz für die Steine nach besten Kräften unterstützt“, sagt Hubert Cordes. Doch – abermals lässt die Haushaltskonsolidierung grüßen – städtisches Geld für das Vorhaben des  Stadtverordneten gab es nicht. Schließlich fand Hubert Cordes einen privaten Sponsor, und so sollen die Sterkrade-Steine im kommenden Jahr wieder aufgestellt werden. Und dann ist auch von vornherein klar, warum sie den Sterkradern wieder ein Stück eigene Identität geben: Die feiern dann nämlich 100 Jahre Stadtrechte; Kaiser Wilhelm II. verlieh  am 17.03.1913 Sterkrade die Stadtrechte.